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GENOSSENSCHAFTEN sind wichtiger Teil eines Modernen COOPERATIONS-Wesens. Sie bilden die Struktur für einfaches, schnelles und effektives Zusammenwirken für MENSCHEN in unterschiedlichsten Situationen. Eine passende Struktur zu haben, ist eine gute Ausgangsposition. Wer in "GRUPPEN-VORTEILEN" denkt, hat ein wesentliches Prinzip von COOPERATION verstanden ...
Unser Beraterin Genossenschaftsfragen: DEGP Deutsch-Europäischer Genossenschafts- u. Prüfungsverband e.V.
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14.07.2018

Genossenschaften und Mittelstand


Presseveröffentlichung




Genossenschaften und Mittelstand

Nur 0,2 Prozent des Mittelstands sind Genossenschaften – das sollte sich ändern.

Wer heute in Deutschland nach einem mittelständischen Unternehmen sucht, das vielleicht sogar noch intensiv Forschung und Entwicklung im Unternehmenskonzept vorsieht, wird schnell feststellen, dass so etwas in der Rechtsform einer Genossenschaft nicht vorkommt. Eine wirklich ernüchternde Bilanz, die der MMW/CoopGo Bundesverband der Cooperationswirtschaft in einem Fach-Hearing „Mittelstand sucht Genossenschaften“ zur Kenntnis nehmen musste. Wir haben das Problem erahnt, jedoch in dieser Klarheit und Schlüssigkeit nicht erwartet – so das Resümee des MMW Vorstandes Gerd K. Schaumann.

Das „Raiffeisenjahr 2018“ war bisher eher ein Jahr des Feierns und des Selbstlobs. Das hat durchaus seine Berechtigung, hält aber einem kritischen Blick - vor allem in Richtung „Potenzialentfaltung“ - nicht Stand. Nichts gegen Feiern, so der Ausblick zahlreicher Referenten zum Hearing, aber wir würden uns wünschen, wenn man sich jetzt mehr auf die Zukunftsfähigkeit des Genossenschafts-Sektors orientiert. Und dort zeigten die teilnehmenden Mittelstandsforscher erhebliche Defizite auf.

Insbesondere zu den  Themenbereichen: Gründung – Konsolidierung – Finanzierung - Forschung und Entwicklung – Innovationen – Politikpräsenz – Attraktivität – Unternehmensführung – und Vorbildeigenschaften stellten alle Referenten übereinstimmend fest, dass bisher weder die Stärken noch die Schwächen einer kooperativen Rechtsform in Gesellschaft und Politik wirklich erforscht bzw. bekannt sind. Sie kritisierten vor allem, dass man – seitens der Verbände – sich fast ausschließlich auf das (rechtliche) Zustandekommen von Genossenschaft konzentriere. Was die Menschen jedoch benötigen, seien schlüssige und „belastbare“ Aussagen, worin die Vorteile einer Genossenschaft liegen, welches ihre besonderen Erfolgs-Potenziale sind und mit welchen speziellen Konzeptionen und Methoden die latent bestehenden „WirKraft-Vorteile“ in Wirkung zu bringen sind.

Eine Auswertung von Veröffentlichungen der unterschiedlichen Verbände im Genossenschafts-Sektor zeige, dass man sich zwar sehr intensiv mit der „Unternehmens-Struktur“ befasse, jedoch wenig dazu beiträgt, darzulegen, worin die Vorteile eines kooperativ wirkenden Unternehmens liegen - im Gegensatz zu einem Unternehmen mit eher „konkurrierend“ ausgerichteter Sichtweise – nach innen und nach außen.

Kurzum, die latenten unternehmerischen „Erfolgsfaktoren“, wie z.B. die Förderung von Selbstverantwortung, Selbstbewusstsein oder Selbstorganisation werden kaum thematisiert. Es wurden Zweifel geäußert, ob eine Dominanz der „Struktur-Verliebtheit“ wirklich dazu beitragen kann, dass sowohl der „Startup-Bereich“, wie auch bestehende Unternehmen anzusprechen sind, sich ernsthaft mit einer „Alternativ-Lösung“ Genossenschaft versus GmbH oder AG auseinanderzusetzen.

Die Zahlen im Genossenschaftsbereich sind eigentlich ernüchternd genug:

2017 kamen gerade einmal (netto) 3 (drei!) Genossenschaften hinzu.

Der Anteil an Genossenschaften am gesamten Mittelstandsbereich beträgt bescheidene 0,2% (!). Geht man davon aus, dass von den ca. 8.000 bestehenden Genossenschaften etwa 50 % den Bereichen Banken, Wohnungsbau, Landwirtschaft, etc. zuzurechnen sind, repräsentieren etwa 4.000 Genossenschaften diesen Anteil von 0,2 % Genossenschaften.

Es wurde eingehend diskutiert, welches das angemessene Potenzial sei, mit dem Genossenschaften im Mittelstand vertreten sein sollten.
Ausgehend davon, dass Genossenschaften wohl die einzige Rechtsform mit kooperativer Ausrichtung sind, einigte man sich auf 3 Zielgrößen:

A. Kurzfristig sollte ein %-Satz von 1% angestrebt werden. Das entspricht einem „Faktor 5“ und würde bedeuten, dass es ca. 20.000 Genossenschaften geben müsste (4.000 x 5)
B. Mittelfristig sollte ein %-Satz von 5% angestrebt werden. Das entspräche ca. 100.000 Genossenschaften.
C. Längerfristig – das entspräche etwa einem Zeitraum bis 2025 sollte der Anteil an Genossenschaften bei 10% liegen. Damit würde sich die Anzahl der Genossenschaften auf tendenziell 200.000 Unternehmen zubewegen.

Bei diesen Zahlen wird deutlich, wie weit der Genossenschafts-Sektor bereits ins Hintertreffen geraten ist, bzw. vor welchen Herausforderungen Politik und Verbände wirklich stehen.

Eingedenk solcher – ernüchternden - Zahlen wird auch verständlich, weshalb man Genossenschaften bisher kaum wirklich als „Erfolgs-Story“ feiern kann, zumindest nicht, um sie als eine feste Größe im Mittelstandsbereich zu etablieren.

Die Mittelstandsforscher begrüßten die Initiative von MMW ausdrücklich, endlich an Hochschulen und Universitäten Studienfächer bzw. Fachbereiche für Kooperationswissenschaften bzw. Kooperationswirtschaft einzurichten, weil nur so gewährleistet werden kann, dass ein Umdenken in Richtung mehr Kooperation statt Konkurrenz erfolgen kann und auch das für Kooperationsunternehmen notwendige Management ausgebildet wird.
Die Wissenschaftler prognostizierten staatlichen und privaten Hochschulen eine gute Perspektive, vor allem um sich mittels eines neuen und attraktiven (Kooperations-) Profils aus einem immer stärker werden „Verdrängungswettbewerb“ zu lösen.
 
Der gesamte Genossenschafts-Sektor – so die Experten – ist bisher wenig darauf ausgerichtet, den Mittelstandsbereich kooperativ mitzugestalten. Als Beispiel diente die Frage der Finanzierung von innovativen Unternehmensprojekten.

Man war sich einig, dass Genossenschaften besondere Probleme haben bei der Kapitalbeschaffung, sowohl beim Eigen- wie auch beim Fremdkapital.

Es dürfte nicht ausreichen, pauschal einfach alle Bemühungen, einen Eigenkapitalaufbau zu schaffen, recht oberflächlich als „Kapitalanlagegenossenschaften“ zu bezeichnen und diese pauschal zu stigmatisieren. Es gibt sicherlich auch „Problemfälle“, meist verursacht von einem Management, das eigentlich über keine nachvollziehbare und erfolgsbezogene Konzeptionen und oftmals auch über zu wenig Managementkompetenz verfügt, solche Projekte mittels eines Kooperations-Unternehmens erfolgreich umzusetzen.

Wer jedoch eingedenk solcher „Möchtegern-Spielarten“ meint, sich mit dem Grundproblem „Kapitalaufbau“ und Qualifikation nicht mehr befassen zu müssen, hat entweder keine Fähigkeit oder Bereitschaft zur wirklichen Problemlösung oder es ist ihm einfach gleichgültig, ob und wie es gelingen kann bzw. muss, den Genossenschafts-Sektor im Mittelstand wirklich zu platzieren, zumindest – zunächst - mit einem relativ bescheidenen Anteil von 1% bis 10%.



Erstaunt zeigte sich auch einige der Teilnehmer über eine recht problematische Tendenz der Presse, beim pauschalen Ruf nach mehr „Reglementierung“ durch Staat und Verbände. Eher seien jetzt konstruktive Lösungen seitens Regierung und Parteien gefordert, endlich – der Besonderheit des Sektors entsprechend – Voraussetzungen zu schaffen, um Genossenschafts-Projekte finanzierbar zu machen.

Verbraucherschutz ist gut für Verbraucher, aber Teilhaber an Genossenschaften sind nun einmal keine Verbraucher. Und eine Genossenschaft, die Beteiligungschancen für viele Menschen eröffnet, ist deshalb nicht automatisch ein Unternehmen, das irgendwelche „Anlagen“ für Kapital oder Vermögen anbietet.

Wie wäre es – zumindest zusätzlich – die Perspektive zu eröffnen, dass mehr Genossenschaften im Mittelstand auch etwas mit einer veränderten Sicht zur Vermögensverteilung zu tun haben könnten und solche Unternehmen Voraussetzungen schaffen  können, damit mehr Menschen eine Unternehmens- Teilhabe eröffnet würde, um Einfluss auf die Unternehmenspolitik nehmen. Gerade im Zeitalter der Digitalisierung sind Unternehmen nicht hoch genug einzuschätzen, in denen die betroffenen Menschen Mitgestaltungsrechte haben.

Was aus Sicht der Menschen jedoch offensichtlich fehlt, ist der „ganz normale Umgang“ sich dem Thema „Teilhabe“ an Genossenschaften interessiert und informiert zu nähern. Hier scheint es an Aufklärung zu fehlen, jedoch nicht aus Sicht von Verbrauchern, sondern von Teilhabern. Warum nicht analog - dem bewährten Prinzip der Selbstorganisation im Arbeitssektor folgend – im Genossenschaftssektor ebenfalls mehr Selbstorganisation zu ermöglichen?

Wer – wie in den letzten Jahren geschehen – den Verbraucherschutz massiv mit  Mitteln stärkte, sollte kreativ genug sein, ähnlich auch eine Art „Teilhaber-Schutz“ für den Genossenschaftssektor zu schaffen. So wie die Mitwirkungsrechte von Gewerkschaften den Unternehmen im „Konkurrenzsektor“ eher genützt als geschadet haben, wäre auch zu prüfen, ob im Selbstorganisations-Sektor Genossenschaften eine „Vereinigung für Teilhaber“ aufzubauen und deren Arbeit – zumindest in der Anfangsphase - staatlich zu befördern.

Statt mehr staatliche Reglementierung und mehr verbandliche Bürokratisierung, die beide eigentlich nichts bzw. wenig Konstruktives zur Entwicklung des Genossenschaftssektors beitragen können und nur Mehrkosten verursachen, wären folgende Wege eher zielführend:

A. Der staatliche Sektor entwickelt – auch für Genossenschaften - stimmige Förderprogramme zur Finanzierung von Startups, Forschung und Entwicklung, sowie allgemeine Unternehmensentwicklungen.

B. Die Verbände im Genossenschaftssektor gehen über das „Senden“ von Strukturinformation zu Genossenschaften hinaus und bieten überzeugende und spezielle „Werkzeuge und Instrumente“ an, mit denen die „WirKraft-Vorteile“ erkennbar und erfolgreich umsetzbar sind.

C. Es kommt zu einer „Genossenschafts- und Kooperations-Allianz“ von Regierung, Parteien und Verbänden, deren Aufgabe es sein sollte, den gesamten Genossenschafts-Sektor zu befähigen, mindestens – kurzfristig – einen Anteil von 1% Genossenschaften im Mittelstand zu erreichen, was einer Zielgröße von etwa 20.000 Genossenschaften entspricht.

D. Die Selbstorganisationsfähigkeit des Genossenschafts-Sektors wird systematisch ausgebaut. Das beinhaltet zugleich Aufklärung und Qualifikationen für Teilhaber und potenzielle Teilhaber in Genossenschaften.

E. Es wird – unter paritätischer Beteiligung von Politik – Verbänden – Vertretern der Teilhaber – eine Institution „Genossenschafts-Parlament“ eingerichtet. Dessen vordringliche Aufgabe es sein sollte, unser Land endlich aus dem genossenschaftlichen „Dornröschen-Schlaf“ zu befreien und Voraussetzungen zu schaffen, um wieder an die Spitze des europäischen Genossenschaftswesen zu kommen. Dazu wird zunächst empfohlen, an eine – möglichst nichtdeutsche Universität – einen Forschungsauftrag zu vergeben, das Genossenschaftswesen auf EU-Ebene vergleichbar zu machen und im Rahmen eines „Stärke-Schwäche-Vergleichs“ erste Handlungsempfehlungen für das Genossenschafts-Parlament zu geben.

Das Fach-Hearing wurde übereinstimmend als eine wichtige Positionsbeschreibung des deutschen Genossenschaftssektors gesehen. MMW greift – so abschließend der Vorstand – die vielen Anregungen des Hearings gern auf und sichert zu, daraus entsprechende politische Initiativen zu entwickeln. Im Rahmen von MMW wird geprüft, einen Fachausschuss „Genossenschaften und Mittelstand“ einzurichten, zu dessen Mitwirkung – neben Vertretern aus Wissenschaft und Praxis auch Vertreter von Parteien und Verbänden – nicht nur aus dem Genossenschafts-Sektor - eingeladen werden.    

PV: 07-2018