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22.03.2018

Bürger-Genossenschaften und „Bürgerbanken“ (Teil 3)



Frage:
Was ist damit gemeint, dass Bürgergenossenschaften eine wohnortnahe Geldversorgung für eine Gemeinde sicherstellen müssten und können? 
Die Attraktivität eines Wohnortes oder das Gegenteil davon, hängt auch damit zusammen, wie die einfach und bequem Bürger ihre „Geld- oder Finanzgeschäfte“ erledigen können. Für junge Menschen könnte diese Frage leicht zu beantworten sein: Sie nutzen „Online-Banking“. Für ältere Menschen – und die sind ein großer Teil der Bevölkerung in den ländlichen Räumen, wird dies keine Lösung sein. Und wenn man mehr von einer Bank erwartet, als nur „Geld hin und her zu transferieren“, dann kommt man schnell an die Grenzen des „Online-Bankings“. …

Wenn neben dem Fleischer, dem Bäcker, dem Ladengeschäft, etc. auch noch die Bankfiliale im Ort verschwindet, können noch so viele staatliche Förderprogramme nicht dafür sorgen, dass die Bevölkerung im Ort überaltert und schrumpft. Und dieser „Schrumpfprozess“ wird sich unaufhaltsam fortsetzen, solange keine wirksame „Trendumkehr“ geschaffen wird. …
Aber mit den Instrumenten der „Kommunalverwaltung“ kann und wird dies nicht erreicht werden. Was nutzen den Bürgern „neue Straßenlaternen“, wenn es keinen Arzt am Ort gibt, was nutzen neue Spielplätze, wenn keine Kinder vorhanden sind, weil die junge Generation längst in die Oberzentren abgewandert sind? Die Instrumente der „Kommunalpolitik“ sind begrenzt. Sie heißt und ist „Kommunal-Verwaltung“, auch wenn sie meint „Politik“ zu machen. 
Diese Illusion haben gute Politiker längst nicht mehr. Andere tun weiterhin „ahnungslos“ das, was man halt von ihnen erwartet, oder auch nicht mehr …
Es gibt immer zwei Möglichkeiten: Entweder man wartet; aber was sollte kommen, was nicht schon längst hätte kommen können? Oder man ergreift selbst die Initiative, entwickelt gestaltet und organisiert selbstorganisiert. …

„Bürger-Selbstorganisation“ in Form von Genossenschaften und/oder Vereinen hat bereits in vielen Regionen erfolgreich stattgefunden. Man muss also das „Rad“ nicht neu erfinden, sondern beginnt damit, sich zu orientieren, nimmt Kontakt zu denen auf, die bereits diesen Weg der „Selbstorganisation“ gegangen sind. Alle diese Initiativen haben gelernt, dass man nicht auf „politische Wunder“ warten sollte, denn die kamen nie. Alle diese Initiativen haben erkannt, dass Veränderung und Wandel stets dann zustande kam, wenn Bürger Eigeninitiative ergriffen, sozusagen zur „Selbstorganisation“ übergingen.

Nicht der Politik von „die da oben“ vertrauten sie, sondern der Kraft des „WIR“, der „Selbstorganisation“ und „Selbsthilfe“. Und alle Initiativen bekannten danach sehr selbstbewusst:

„Wir haben eigentlich nur einen Fehler gemacht: Wir haben zu lange gewartet, zu lange auf die „inhaltsleeren“ Worte der Politik vertraut
Was hat aber nun „Selbstorganisation“ damit zu tun, um z.B. sicherzustellen, dass – dauerhaft – eine gute Geldversorgung und entsprechende Beratungsangebote vor Ort sichergestellt sein können?
Wir meinen mehr, wie man bisher gemeint hat, denn eine „wohnortnahe Geldversorgung“ und „Geld-Beratung“ ist mit Grundlage dafür, dass eine „Re-Vitalisierung“ der Gemeinde oder des Dorfes glaubwürdig initiiert werden kann.
Um den bereits erfolgten - und noch „drohenden“ - „Aderlass“ von Lebens-Qualität- zu bremsen oder gar den Trend umzukehren, muss zwingend jeder weitere „Nachteil“ vermieden werden, der die Bürger der Gemeinde gegenüber der Bevölkerung der Oberzentren zugemutet wird. Wir verwenden hier durchaus den abstrakten Begriff „Lebens-Qualität“, denn genau das sollte der Maßstab für „Vergleiche“ sein. Es kommt also nicht darauf an, ob etwas – von irgendwoher – als zumutbar beurteilt wird, sondern es kommt einzig darauf an, wie die Bürger einer betroffenen Gemeinde eine Entwicklung selbst beurteilen.
Mit Einführungen sog. Verwaltungs-Gebiets-Reformen hat die Politik bereits „erfolgreich“ gezeigt, dass die jeweilig konkreten Bürger-Interessen eigentlich nie Maßstab für die Landespolitik „fernab“ waren.
Dass dringender Bedarf zur „Selbstorganisation“ in Sachen „wohnortnahe Geldversorgung“ besteht mögen folgende Zahlen signalisieren:        
Dazu schauen wir uns die Situation bezüglich zweier „Banken-Typen“ an. Dies sind zum einen die „Sparkassen“ und zum anderen die „Volks- oder Raiffeisenbanken“. Andere Banken können wohl ausgeklammert werden, weil darauf „Bürgergenossenschaften“ wohl nur sehr begrenzten Einfluss haben. Das soll nicht heißen, diese – einzelfallbezogen - komplett auszuklammern. Auch noch darauf einzugehen, würde jedoch hier den Rahmen sprengen.
Die Zahl der Filialen der Sparkassen in Deutschland sank von 2013 bis 2017 von ca. 15.800 auf ca. 15.300. Das ist ein Verlust von 500 Filialen.
Tendenz – weiter steigend.  

Im Jahre 1950 gab es in Deutschland ca, 12.000 Kreditgenossenschaften. Die Zahl sank bis zum Jahre 1990 auf ca. 3.040, darunter 3.000 Volks- und Raiffeisenbanken. Im Jahre 2016 gab es dann nur noch 946 davon. Tendenz – es werden weiterhin Banken „wegverschmolzen“.  Insider sprechen davon, dass beabsichtigt ist, nur noch maximal 10-20 Kreditgenossenschaften pro Bundesland zu haben und Geschäftsstellen zu schließen, die weniger als 300 Mio. Euro Geschäftsvolumen erbringen.
Allein von 2015 bis 2016 sank die Anzahl der VB- und RB- Bank- Zweigstellen um 666 (!). Auch dieser Trend geht ungebrochen weiter.
Fachleute gehen davon aus, dass sich die Banken-Filialen insgesamt von 34.000 (2015) auf 20.000 (2015) reduzieren werden. Das sind pro Jahr ca. 1.400 weggefallene Filialen. Davon werden pro Jahr etwa 1.000 Gemeinden betroffen sein.  Die „Geldgeschäfte“ der Bürger werden „wohnortfern“ abgewickelt werden müssen.
Man sieht unschwer, dass der Wohn-Wert der Orte und Gemeinden weiter sinken wird.

Was haben aber Bürgergenossenschaften hiermit zu tun?

Eine  „Bank“ werden sie nicht ersetzen können oder gar eine solche gründen. Das lässt das Kreditwesengesetz nicht zu. Auch könnte man sich nicht „Bank“ nennen oder den Namen „Bank“ im Namen verwenden.
Die Bürgergenossenschaft soll auch keine „Ersatz-Bank“ sein, auch wenn wir den Begriff „Bürger-Bank“ hier verwenden. Wir verwenden ihn deshalb um zu verdeutlichen, dass es Ziel sein muss, dass eine Bürgergenossenschaft analoge Leistungen für ihre Mitglieder sicherstellen sollte und das auch kann. Wohl gemerkt, „sicherstellen“, nicht selbst als Bank tätig werden. Wer es mag, kann natürlich auch andere Begriffe verwenden, wie z.B. „Bürger-Finanz-Service“,  „Geld-Beratungs-Service“ oder ähnlich.
In Bezug auf „Bürgerbank“ ist es also – allgemein ausgedrückt – die Aufgabe der Bürgergenossenschaft, ihren Mitgliedern bzw. den Bürgern ihrer Gemeinde, eine Erledigung deren Geldgeschäfte analog so zu ermöglichen, als wohnten diese in einem Oberzentrum. Es geht um das „als ob“!
Das ist zu viel des Guten, könnten jetzt eingewandt werden, wir wären bereits froh, wenn wenigstens ein Geldautomat aufgestellt würde. …
Nein, das ist wahrlich nicht übertrieben, denn es geht nicht nur darum, Abwanderungsverluste bei der Bevölkerung zu vermeiden, sondern diesen Trend endlich umzukehren:

Das Dorf, die Gemeinde braucht wieder „Zuwanderung“ und das schafft man nur wenn man nicht in „Verlustvermeidung“ denkt und handelt, sondern in Kategorien mit denen „Zukunftsfähigkeit“ erzeugen kann.
Als „Selbstorganisierer“ beginnen wir uns aus der bekannten, aber erfolglosen „Opfer-Rolle“ zu lösen, den „Bittsteller-Status“ aufzugeben und selbstbewusst unsere eigene Zukunft - durchaus „rosig“ - zu planen. Wir wählen dafür das „Leitmotiv“:

„Richtig ist, was für unsere Gemeinde wichtig ist“!

Jede andere Haltung – das kann man inzwischen gut sehen – bringt uns nur noch tiefer in den „Schlamm“, schon gar nicht davon weg. …  
Mit dem Motto unser „Unser Ort soll schöner werden“ stellte uns die Kommunalpolitik ruhig. Wir müssen jetzt diesen Spruch selbstbewusst erweitern:  

„Unser Ort soll schöner  u n d  attraktiver“ werden!
Und das alles kann geschehen, wenn wir eine „Bürger-Genossenschaft“ in unserem Ort haben?
JA – so selbstbewusst sind Menschen, die erkannt haben, dass „Kooperation“ bzw. „Miteinander“ quasi „Berge versetzen“ kann.
So überzeugt sind Eltern, die nicht nur über die Zukunft ihrer Kinder plaudern, sondern dafür etwas bewegen wollen.
So initiativ sind Menschen, denen Gemeinschaft wertvoll ist und denen es wichtig ist, ihr Leben in einer Umgebung mit Qualität (Erholungswert) zu genießen.

Wer „bewusst“ den Wohnort Gemeinde wählt – und das werden immer mehr Menschen sein – erwartet zu Recht auch einige Selbstverständlichkeiten, wie sie derzeit nur in Oberzentren oder Großstädten geboten werden.
Bürgergenossenschaften oder moderner gesagt „BürgerCoops“, sind nicht nur einfach eine weitere Form von Genossenschaft. Sie sind eine Art „wahre Alternative zum Wohnen und Leben in Großstädten“. Wer das nicht nachvollziehen kann oder will, dem wird eine wirkliche Trendumkehr kaum gelingen. Der wird hinnehmen müssen, dass man auf dem Lande „nur“ wohnt, aber die Stadt benötigt, um zu Leben.

Im Teil 4 werden wir uns ganz auf die Finanzierung solcher Bürgergenossenschaften konzentrieren. Dort werden wir z.B. eingehen darauf, wie man intelligent mit bevorstehenden (Zwangsfusionen) von kleinen Kreditgenossenschaften umgeht,
·         wie man auf „Hiobsbotschaften“ von Filialschließungen von Volksbanken oder Sparkassen reagiert.

Besonders für Gemeinden die durch eine (Zwangs-) Verschmelzung auf eine größere Volksbank betroffen sind, werden wir aufzeigen, dass man absolut nicht einfach „kapituliert“, sondern besser dafür sorgt, das „Geld im Dorf zu lassen“.

Dabei geht es schnell um Millionenbeträge, die „unverhofft“ nicht nur das Startkapital für die Gründung einer Bürgergenossenschaft erbringen, sondern auch erste Aktivitäten der Bürgergenossenschaft zum Realisieren bringen können. Diese Millionen-Beträge können z.B. den Bau eines „Gemeinde-Wirtschafts-Service-Zentrums“, ermöglichen, in dem gezielt Räumlichkeiten zur Vermietung für Dienstleistungen und Gewerbe geschaffen werden können. Und dabei geht es nicht nur um Pflegedienste, auch die Post- oder Paketagentur, der Bäcker, der Fleischer, die IT-Agentur, etc.. Auch andere nützliche Gewerbe könne „angesiedelt“ werden und erste Erträge (Vermietung) erbringen. …

Selbstorganisation ist eine Kombination von Fantasie, Mut, Selbstverantwortung und Selbstvertrauen.

Wenn das „WIR“ erkannt und in Aktion gebracht wird, dann wird es möglich, in Richtung mehr „Gleichgewicht“ zwischen Stadt und Land herzustellen.
Es wird immer mehr Menschen geben, die gern aus den Städten wegziehen würden, aber denen das (derzeitige) Landleben (noch) zu wenig zu bieten scheint. Was genau fehlt, das wäre zu analysieren und – sofern gewünscht – sollte man sich – durchaus vorrangig - auf dieses Klientel verstärkt ausrichten.
Bürgergenossenschaften haben zweifellos eine große Zukunft. Sie können der „Motor“ für ein selbstbewusstes, neues Selbstverständnis im „Stadt – Land“ Leben sein.

Ohne Bürgergenossenschaften wird sich wohl nichts ändern lassen. Mit Bürgergenossenschaften hat man wenigstens das Handlungs-Potenzial für Änderung geschaffen und man kann dann immer noch entscheiden, „wieviel“ man davon „wann“ und „wie“ wirklich nutzen will. …    
(Dazu mehr im Teil 4)

(Literaturhinweis: Gern gegeben wir dazu eine Literaturempfehlung: Das Taschenbuch mit dem Titel „Unsere Volksbank soll fusionieren“ (Autor: Georg Scheumann, Verlag UDG eG) kann direkt über www.igenos.de oder über www.coopgo.de bestellt werden. Für potenzielle Planer von Bürgergenossenschaften, sollte es unbedingt ausgewertet werden.)

(Gern können Sie „TransCoop“ Ihre Fragen zusenden. Wir werden unsere Antworten – möglichst zeitnah - entweder einzeln oder innerhalb eines gleichen Themenkomplexes veröffentlichen.)